Der Enkeltrick hat sich verändert

Von Daniel Renkel, Gründer von Circura · zuletzt geprüft am [Datum]

Den klassischen Enkeltrick kennen viele: Jemand ruft an, sagt „Rate mal, wer dran ist“, und die angerufene Person nennt selbst einen Namen. Diese Variante gibt es weiterhin. Inzwischen gehen Täter aber oft direkter vor und lassen ihren Opfern kaum Zeit zum Nachdenken.

Statt „Rate mal“ heißt es heute häufig: Es ist etwas passiert und du musst sofort helfen.

Was sich verändert hat

Der Schockanruf

Am Telefon ist zunächst eine weinende, kaum verständliche Stimme. Kurz darauf übernimmt ein angeblicher Polizist oder Staatsanwalt. Es geht um einen Unfall, eine Festnahme oder eine Kaution. Die angerufene Person soll nicht in Ruhe nachdenken, sondern sofort handeln. Deshalb versuchen die Täter, sie möglichst lange in der Leitung zu halten.

Die gefälschte Nummer

Auf dem Display erscheint eine vertraute Ortsvorwahl oder sogar die 110. Rufnummern können jedoch technisch manipuliert werden. Die Anzeige allein sagt deshalb nicht zuverlässig, wer wirklich anruft.

Der Wechsel auf WhatsApp

„Hallo Mama, das ist meine neue Nummer, mein Handy ist kaputt.“ Danach kommt die Bitte um eine Überweisung, weil das Online-Banking angeblich noch nicht wieder läuft. Der Vorteil für die Täter: keine Stimme, die auffallen könnte.

Nachgebaute Stimmen

Inzwischen gibt es Fälle, in denen Stimmen mithilfe öffentlich verfügbarer Aufnahmen nachgeahmt wurden, etwa aus Videos in sozialen Netzwerken. Wie häufig das tatsächlich vorkommt, lässt sich schwer einschätzen. Wichtig ist deshalb: Auch eine vertraut klingende Stimme ist kein sicherer Beweis dafür, wer am anderen Ende spricht.

Woran man es trotzdem erkennt

Die Geschichten verändern sich, doch drei typische Merkmale tauchen immer wieder auf:

Wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen, solltest du das Gespräch beenden und selbst über eine bekannte Nummer zurückrufen.

Die drei Merkmale auf einer Seite

Im Schutzplan stehen die Erkennungsmerkmale, das Familienkennwort und die Rückrufregel so, dass ihr sie gemeinsam durchgehen könnt. Kostenlos als PDF.

Der schwierige Teil

Solche Anrufe funktionieren nicht, weil die Betroffenen unvorsichtig oder leichtgläubig wären. Sie funktionieren, weil sie Angst auslösen und keine Zeit zum Nachdenken lassen. Wenn es angeblich um das eigene Kind geht, fällt es schwer, ruhig zu prüfen, ob die Geschichte stimmen kann.

Deshalb reicht es oft nicht, eine Betrugsmasche nur zu kennen. Im entscheidenden Moment braucht es eine einfache Regel – zum Beispiel auflegen und selbst zurückrufen – oder eine Person, die das Gespräch unterbricht.

Häufige Fragen

Ruft die Polizei jemals an und verlangt Geld?
Nein. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft noch Gericht fordern telefonisch Bargeld, Wertsachen oder Überweisungen. Es gibt keine Kaution, die an der Haustür abgeholt wird.
Auf dem Display stand die 110. Kann das echt sein?
Nein. Die 110 wird nie als abgehende Rufnummer angezeigt. Wenn sie im Display steht, ist der Anruf gefälscht.
Was mache ich, wenn ich mitten im Gespräch unsicher werde?
Auflegen. Dann selbst zurückrufen, über eine Nummer, die du selbst kennst oder heraussuchst. Wenn die Gegenseite das Auflegen verhindern will, ist das für sich genommen schon das Erkennungszeichen.
Meine Mutter ist überzeugt, ihr passiert so etwas nicht.
Dann hilft es meist wenig, über Leichtgläubigkeit oder das Alter zu sprechen. Besser ist es, gemeinsam anzuschauen, wie gezielt solche Anrufe Angst und Zeitdruck erzeugen. Das kann jedem passieren.

Was ihr vor einem solchen Anruf besprechen könnt

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