Die „Ja“-Masche: Was wirklich passiert, wenn man am Telefon Ja sagt

Von Daniel Renkel, Gründer von Circura · zuletzt geprüft am [Datum]

Jemand ruft an und stellt eine scheinbar harmlose Frage: „Hören Sie mich?“ oder „Spreche ich mit Frau Müller?“ Deine Mutter antwortet mit Ja – so, wie es wohl die meisten Menschen tun würden. Kurz darauf ist das Gespräch beendet und ein ungutes Gefühl bleibt zurück. Vielleicht hat sie dir davon erzählt. Vielleicht ist es dir selbst passiert.

Die kurze Antwort vorweg: Durch dieses eine Ja entsteht kein Vertrag. Trotzdem solltest du den Anruf ernst nehmen – allerdings aus einem anderen Grund, als viele vermuten.

So läuft der Anruf ab

Solche Anrufe folgen häufig einem ähnlichen Muster und dauern oft nur wenige Sekunden.

  1. Der Anrufer nennt einen Namen und eine Firma, die seriös klingen soll – zum Beispiel einen Energieversorger, eine Gewinnspielzentrale oder ein Verbraucherportal.
  2. Er stellt eine Frage, auf die es nur eine Antwort gibt. „Können Sie mich gut verstehen?“ oder „Sind Sie die Anschlussinhaberin?“
  3. Das Ja kommt reflexhaft. Es ist Höflichkeit, keine Zustimmung.
  4. Das Gespräch endet kurz darauf, oft ohne ein konkretes Anliegen oder Angebot. Spätestens dann solltest du aufmerksam werden.

Was rechtlich gilt

Ein Vertrag setzt voraus, dass beide Seiten wissen, worüber sie sich einig werden. Wer auf die Frage „Hören Sie mich?“ mit Ja antwortet, stimmt keinem Angebot zu, weil ihm keines gemacht wurde. Kommt trotzdem eine Rechnung oder eine Vertragsbestätigung, widersprich schriftlich und zahl nicht. Die Verbraucherzentralen stellen dafür Musterschreiben bereit.

Wichtig: Widersprich schriftlich und so, dass du den Versand später nachweisen kannst. Ein Anruf allein reicht dafür nicht.

Was tun, wenn der nächste Anruf kommt?

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Warum der Anruf trotzdem wichtig ist

Hinter dem Anruf kann ein anderer Zweck stecken: herauszufinden, ob die Nummer aktiv ist, wer ans Telefon geht und wie die Person reagiert.

Wer länger im Gespräch bleibt und Fragen beantwortet, kann damit ungewollt zeigen, dass die Nummer erreichbar ist. Später können weitere Anrufe folgen – etwa ein Schockanruf, ein Anruf durch angebliche Polizisten oder ein Gewinnversprechen mit Vorauszahlung. Die sogenannte „Ja“-Masche kann also der Versuch sein, einen Anschluss und die Person dahinter einzuschätzen.

Auch wenn zunächst nichts weiter passiert, lohnt sich ein kurzes Gespräch in der Familie. So weiß jeder, wie er beim nächsten verdächtigen Anruf reagieren soll.

Was du jetzt tun kannst

Notiere die angezeigte Nummer sowie Datum und Uhrzeit. Ruf nicht zurück, auch nicht, um die Sache zu klären. Falls eine Rechnung oder Vertragsbestätigung kommt, widersprich schriftlich und zahle nicht. Sprich außerdem kurz mit deiner Familie darüber, damit beim nächsten verdächtigen Anruf niemand allein entscheiden muss.

Wenn deine Eltern allein wohnen, bekommst du solche Anrufe meist nicht mit. Oft erfährt die Familie erst davon, wenn das Thema irgendwann zufällig zur Sprache kommt.

Häufige Fragen

Ist durch mein Ja ein Vertrag entstanden?
Nein. Ein Vertrag kommt nur zustande, wenn beide Seiten wissen, worüber sie sich einigen. Ein Ja auf die Frage „Hören Sie mich?“ ist keine Zustimmung zu einem Angebot.
Was mache ich, wenn trotzdem eine Rechnung kommt?
Schriftlich widersprechen und nicht zahlen. Kopie des Schreibens aufheben, Versand nachweisbar machen. Die Verbraucherzentralen haben dafür fertige Musterschreiben.
Kann das Ja gegen mich verwendet werden?
Eine zusammengeschnittene Aufnahme ist kein Nachweis für einen Vertragsschluss. Wer eine Forderung stellt, muss belegen, dass ein Angebot gemacht und angenommen wurde.
Sollte ich die Nummer sperren?
Sperren schadet nicht, hilft aber begrenzt. Die Nummern wechseln laufend und werden oft technisch gefälscht. Sperrlisten helfen gegen Wiederholungen, nicht gegen neue Nummern.
Kann ich den Anruf melden?
Ja, bei der Bundesnetzagentur. Wie das geht, steht in unserem Beitrag zum Melden von Telefonbetrug.

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